Märchendichter Christian Peitz erzählt moderne Märchen für Kinder und Erwachsene von heute



Fragen und Antworten

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich konnte weder singen noch zeichnen, also blieb mir in der Jahrgangsstufe 13 nur der Literaturkurs. Da hatte ich dann einen Lehrer, der mich sehr motiviert und mich auf meine Stärken aufmerksam gemacht hat.

Wieso Märchen?
Märchen sind spannend, weil sie sich auf einen klaren Grundplot beschränken. Es gibt keine großen, verschachtelten Handlungen, sondern meist nur eine Situation. Auch geht es nicht um ausgefeilte Charaktere, sondern um allgemeine Figuren wie Zauberer, Prinzessin oder Hofnarr. Dadurch haben Märchen auf der einen Seite etwas sehr Konzentriertes. Da die Grundfiguren bekannt sind, kann man sich schnell in die Situation hineindenken. Auf der anderen Seite gibt es wohl keine andere Gattung, die derart offen in verschiedene Richtungen ist. In Märchen sind sowohl Tragik als auch Komik möglich. Zudem ermöglichen sie viel Fantastisches.

Wo steht das Märchen heute?
Wenn man die Klassiker von Grimm, Andersen, usw. mal außen vor lässt, sind Märchen zu einer Nischengattung geworden. Viele Geschichten für Kinder enthalten märchenhafte Züge. Aber es werden auch viele Geschichten als Märchen bezeichnet, die im Grunde keine Märchen sind. Das sogenannte Volksmärchen mit mündlicher Erzähltradition wird noch von einigen Märchenerzählern weitererzählt. Das Kunstmärchen findet in der zeitgenössischen Kultur wenig Beachtung. Es gibt viele Märchenparodien und auch Märchen, die man vielleicht als esotherisch bezeichnen kann. Sie sollen die Kinderseele heilen und werden quasi mit therapeutischen Zielen eingesetzt. Einer literarischen Märchentradition folgen sie allerdings nicht.

Wie sind Sie zum Radio gekommen?
Ein guter Freund (Stephan Holzapfel) hat eine Bürgerfunk-Sendung produziert und mich gefragt, ob ich mich nicht mit Märchenhörspielen beteiligen möchte. Später ist er dann zum DeutschlandRadio und SFB gegangen, und ich bin ihm gewissermaßen gefolgt.

Wie kam es zu den Hörspiel-CDs?
Ich bekam sowohl von Radiohörern als auch aus dem Freundeskreis immer wieder Anfragen, ob man die Hörspiele nicht auch auf CD bekommen kann. Irgendwann habe ich spaßeshalber mal eine CD produziert (Der Märchenprinz, 2006), und weil die Sache gut lief, folgten noch weitere CDs. Schließlich haben meine Freunde Stephan Voß und Oliver Geister sich überreden lassen, mir zur Seite zu stehen, und wir haben einen kleinen, unabhängigen Hörbuch-Verlag gegründet.

Wieso veröffentlichen Sie Ihre Bücher bei Books On Demand?
Auf der einen Seite habe ich keine Erfahrungen mit der Verlagssuche, aber man hört immer wieder, dass das sehr anstrengend ist. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß, die Gestaltung der Bücher selbst in der Hand zu haben, wenn ich auch sagen muss, dass mich Microsoft Word regelmäßig Nerven kostet, weil die automatischen Funktionen den Satz zerschießen. Books On Demand übernimmt im Grunde einen Teil der Verlagsarbeit, nämlich die Herstellung und den Vertrieb. Und in diesen Punkten bin ich mit BOD sehr zufrieden. Die inhaltliche und gestalterische Verantwortung liegt komplett beim Autor. Das hat natürlich zur Folge, dass das BOD-Programm sehr heterogen ist.

Wie gehen Sie mit Fehlern um?
Ich habe glücklicherweise Freunde, die mir beim Korrigieren helfen. Zudem nutze ich den aktuellen Duden-Korrektor. Es gibt insgesamt fünf bis sechs Korrektur-Durchgänge.

Was haben Sie als Nächstes vor?
Vielleicht einen Märchenroman schreiben, der in Lugabugien spielt.

Christian Peitz