Moderne Märchen

BESONDERE ORTE

DER BÖKERHOF IN BÖKENDORF

Bökerhof03.10.2011: Mit Annette von Droste-Hülshoff verbindet man zunächst vor allem Havixbeck und Münster. Für wichtige Kontakte und Inspirationen jedoch war ein anderer Ort entscheidend: Bökendorf. Das heute 800 Einwohner große Dörflein gehört zur Kleinstadt Brakel, die zwischen Höxter und Paderborn liegt. Das klingt erstmal, als sei dort der sprichwörtliche Hund begraben, jedoch gab und gibt es in Bökendorf ein altes Herrenhaus, den Bökerhof, der den Großeltern Annette von Droste-Hülshoffs gehörte. Hier traf sich über einige Jahre regelmäßig der "Bökendorfer Romantikerkreis", zu dem neben Annette und ihrer Schwester Jenny u. a. auch Clemens Brentano, die Brüder Grimm und Hoffmann von Fallersleben zählten. Die Brüder Grimm haben aus dieser Region u. a. Dat Mäken von Brakel in ihre Märchensammlung aufgenommen. Annette war, als sie am 13. Juli 1813 erstmals mit einigen dieser Persönlichkeiten zusammentraf, gerade 16 Jahre alt. Es wurde ein philosophisch-literarischer Austausch gepflegt, neben den Treffen auf dem Bökerhof auch per Brief, und so zählten die beiden von Droste-Hülshoff-Schwestern neben vielen anderen zu den Volksmärchenlieferanten der Brüder Grimm. August Franz von Haxthausen war, auch wenn er nur ein paar Jahre älter als sie war, Annette von Droste-Hülshoffs Onkel. Auch er gehörte zur illustren Runde der Bökendorfer Romantiker. 1818 veröffentlichte er seine Niederschrift eines Mordfalles, der sich in der Nähe ereignet hatte. Es war die Geschichte eines Algierer-Sklaven. Ausgehend von dieser Geschichte verfasste Annette von Droste-Hülshoff ihre bekannte Novelle Die Judenbuche. Diese erschien zunächst als Fortsetzungsgeschichte im Morgenblatt für gebildete Stände (1842). Verantwortlicher Redakteur war Hermann Hauff, der Bruder des bekannten Märchendichters Wilhelm Hauff.
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DIE FÜRSTLICHE BIBLIOTHEK IM KLOSTER CORVEY

Kloster Corvey03.10.2011: Das Schloss Corvey bei Höxter gehörte zunächst als Kloster der katholischen Kirche und ging 1803 in staatlichen Besitz über. In einer Übergangszeit bis 1812 wurde die Klosterbibliothek nach und nach aufgelöst. 1815 wurde Victor Amadeus von Hessen-Rotenburg (1779 bis 1834) zum Fürsten von Corvey ernannt. Seiner bibliophilen Veranlagung ist die Entstehung der Fürstlichen Bibliothek im Schloss Corvey zu verdanken. Diese heute aus 74.000 Bänden bestehende Sammlung gilt als eine der größten Privatbibliotheken Deutschlands. Sie enthält u. a. Belletristik und Reiseliteratur aus dem 19. Jahrhundert. In den Jahren 1860 bis 1874 wurde die Bibliothek von Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) betreut. Dem bekannten Dichter ("Das Lied der Deutschen", "Alle Vögel sind schon da", "Ein Männlein steht im Walde", "Der Kuckuck und der Esel", ...) gelang es, den Buchbestand aufzustocken und Teile der ursprünglichen Klosterbibliothek zurückzukaufen. Seit 1999 wird die Bibliothek vom Corvey-Institut für Buch- und Bibliotheksgeschichte (Universität Paderborn) betreut und wissenschaftlich erschlossen.
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SCHLOSS MARIENBURG

Schloss Marienburg01.04.2011: Das Schloss Marienburg in Pattensen (bei Hannover) war ein Geburtstagsgeschenk des Königs Georg V. von Hannover (1819-1878) an seine Frau, Königin Marie von Sachsen-Altenburg (1818–1907). Es wurde zunächst als Sommerresidenz und Jagdschloss genutzt. Dauerhaft bewohnt wurde es nur 1866 und 1867 von Königin Marie und Prinzessin Mary. Anschließend folgten die beiden König Georg V. ins Exil nach Wien. - Interessant ist, dass die Marienburg nicht nur wie ein Märchenschloss aussieht. Die Prinzessinnen Mary (1849-1904) und Friederike (1848-1926) hatten in ihrem Prinzessinnenzimmer einen Erker. Im Durchgang zum Erker waren Motive aus Schneewittchen und Dornröschen unter die Decke gemalt. Auch die von Edwin Oppler aus amerikanischem Nussholz gefertigten Möbel greifen das Märchenhafte auf.
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ANNA BLUME, BERLIN

Anna Blume27.10.2010: Prenzlauer Berg ist als Stadtviertel Berlins schon lange kein Geheimtipp mehr. Hier gibt es auch das wunderschöne Jugendstil- Café Anna Blume, das nach einem Gedicht von Kurt Schwitters (1887-1948) benannt wurde. Das Café bietet neben einem schönen Kaffee- und Kuchenangebot auch eine schöne Basis für einen Spaziergang durch den Stadtteil. Unmittelbar neben dem Café gibt es einen öffentlichen Bücherschrank, der in einem großen Baumstumpf untergracht ist.
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HAMELN

Hameln25.07.2009: Die Stadt Hameln ist vor allem für die (weltberühmte) Sage vom Rattenfänger (u.a. Brüder Grimm) bekannt. Heute geht man davon aus, dass die Sage folgenden wahren Kern hat: Mit Kindern sind junge Erwachsene gemeint, die in Hameln aufgewachsen sind. Ihr Verschwinden ist jedoch nicht auf einen Rattenfänger zurückzuführen, sondern höchst wahrscheinlich auf tschechische Unternehmer, die sie als Arbeitskräfte angeworben haben. - Es wäre jedoch falsch, die Stadt Hameln auf diese Sage und ihre Hintergründe zu reduzieren (auch wenn man auch in der Stadt häufig darauf gestoßen wird). Der aus wunderschönen Fachwerkhäusern bestehende Stadtkern ist auch so eine Reise wert.
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WILHELM BUSCH-MÜHLE, EBERGÖTZEN

Wilhelm Busch-Mühle24.07.2008: Der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832-1908) hat es wohl vor allem durch seine Lausbuben-Geschichte Max und Moritz zu Erfolg und Bekanntheit gebracht. Die Mühle aus "Max und Moritz" sowie einige der Figuren sind geprägt durch die Schulzeit, die Wilhelm Busch zum Großteil in Ebergötzen bei Göttingen verbracht hat. Die dortige Wassermühle wurde vom Vater seines bestens Freundes betrieben, sodass der Schüler Wilhelm viele Stunden darin verbrachte. Die Mühle steht noch heute und ist zu einem Wilhelm Busch-Museum umgebaut worden. Weil mal in der Nähe ist, sollte sich einen Besuch und eine Führung nicht entgehen lassen!
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BRÜDER GRIMM-MUSEUM, KASSEL

Brüder Grimm-Museum22.07.2008: Die bekannten Märchenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm (Jacob: 1785-1863; Wilhelm: 1786-1859) lebten von 1798 bis in die späten 1820er Jahre (mit einigen kürzeren Unterbrechungen) zusammen in Kassel. Hier entstanden ihre bekannten Sammlungen "Deutsche Sagen" (1806) und "Kinder- und Hausmärchen" (erste Ausgabe: 1812) sowie die "Deutsche Grammatik". Der ehemalige Palais Bellevue in Kassel war u.a. Regierungssitz von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte, als dieser König von Westphalen war (1807-1813). Die Brüder Grimm waren zeitweise bei ihm als Bibliothekare angestellt. Dies ist in sofern interessant weil einige der Grimmschen Märchen bereits zuvor durch Charles Perrault in französischer Sprache veröffentlicht worden waren. Dem Märchen Der gestiefelte Kater ist dies zum Verhängnis geworden, denn die Brüder Grimm haben ihn, weil er zu wenig Deutsches enthielt, aus späteren Auflagen ihrer Märchensammlung wieder entfernt. Heute ist im Palais Bellevue das Brüder Grimm-Museum untergebracht, dass sich nicht nur der Ausstellung und Pflege der alten Bibliothek, sondern auch der Grimm-Forschung verschrieben hat. Die Straße heißt heute noch "Schöne Aussicht".
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KAFKA-MUSEUM, PRAG

Kafka-Museum07.09.2007: Eine der faszinierendsten Gestalten der deutschsprachigen Literatur ist zweifelsohne Franz Kafka (1883-1924). Der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Prag hat durch seine surrealen Geschichten den Begriff "kafkaesk" geprägt. Kommt man nach Prag führt an "Kafka" im Grunde kaum ein Weg vorbei. Bester Anlaufpunkt für Kafka-Interessierte ist das Kafka-Museum. Es liegt nahe der Prager Burg und bietet viele Anlässe zum Staunen, u.a. durch den kafkaesken Brunnen vor dem Eingang. Die Ausstellung bietet viel Interessantes, schüttet einen aber nicht mit Fakten zu, sondern bietet vor allem ein sehr atmosphärisches Erlebnis.
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Orte in der Übersicht

Der Bökerhof (10/2011)

Kloster Corvey (10/2011)

Schloss Marienburg (04/2011)

Anna Blume (10/2010)

Hameln (07/2009)

Wilhelm Busch-Mühle (07/2008)

Brüder Grimm-Museum (07/2008)

Kafka-Museum (09/2007)